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Braucht es wirklich Spezialist:innen für Klimaanpassung?

Menschen stehen an einem Strand im Kreis und erörtern die Situation zur Klimaanpassung
Bild: Birgit Georgi-Haake

Oder können Nachhaltigkeitsexpert:innen, Energieberater:innen oder Kommunikationsexpert:innen das „eben mitmachen“?

Reicht eine gute Checkliste, ein Leitfaden aus dem Netz – oder erledigt die KI das Ganze bald auf Knopfdruck?

 

Eine Frage, die mir in den letzten Jahren immer häufiger begegnet. Und eine, die mich persönlich sehr umtreibt.

 

 

Die Verlockung der schnellen Lösung

 

Klimaanpassung klingt auf den ersten Blick machbar.

Ein bisschen Hitzeschutz hier, etwas Begrünung dort – fertig ist das Anpassungskonzept.

 

In einer Welt mit vielen anderen Sorgen ist diese Vorstellung verführerisch: Schnell, günstig, sofort umsetzbar.

 

 

Und tatsächlich: Immer mehr Akteur:innen drängen in das Feld. Selbsternannte schnell angelernte „Expert:innen“, Kommunikationsprofis, Energieberater:innen – ja sogar fachfremde Berufsgruppen. Oft nebenbei, oft ohne Tiefe, oft zu Dumpingpreisen.

Das Problem:

Die Kundschaft merkt es meist nicht.

Denn wer sich selbst nicht intensiv mit Klimaanpassung und all ihren Facetten beschäftigt hat, kann Qualität schwer einschätzen. Erst der Praxistest wird es beweisen, aber dann ist der Schaden durch unzureichenden Schutz vielleicht schon eingetreten. 

 

 

Aber funktioniert Klimaanpassung wirklich so?

 

Meine kurze Antwort: Nein.

Meine lange Antwort beginnt im Jahr 2010.

 

15 Jahre Klimaanpassung – aus sehr unterschiedlichen Perspektiven

 

Seit über 15 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Klimaanpassung – fachlich, strategisch und praktisch, auf sehr unterschiedlichen Ebenen.

Alles begann Ende 2010 als Projektmanagerin für urbane Klimaanpassung bei der Europäischen Umweltagentur in Kopenhagen. Dort beriet ich die Europäische Kommission, nationale Regierungen, europäische Städtenetzwerke und stand im intensiven Austausch mit zahlreichen Städtevertreter:innen aus ganz Europa.

 

Seit 2017 arbeite ich freiberuflich – und damit auch ganz lokal und regional:

  • in Asturien, Apulien, Anklam, Hofheim, Egelsbach;
  • mit sozialen Einrichtungen wie dem ZenJA Langen oder der Diakonie Hessen;
  • mit IHKs und Wirtschaftsförderungen oder dem Handelsverband Deutschland e.V. in HDE-Adapt;
  • und mit Unternehmen wie Tchibo, IKEA, Raiffeisen oder Sport Thieme.

Diese Bandbreite hat meinen Blick geprägt. Und sie hat mir eines sehr deutlich gezeigt:

 

 

Klimaanpassung ist keine islolierte Instantlösung. Sie ist komplex, muss systemisch und fallbezogen erfolgen

 

Ein Beispiel aus der Praxis -  Ein Gebäude leidet unter Hitze. Der schnelle Reflex: Klimaanlage.

 

Ich gehe anders vor. Ich schaue mir die Situation umfassend an:

  • Können hitzeempfindliche Raumnutzungen verlagert werden?
  • Lässt sich die Hitzelast durch Dämmung, Verschattung, Begrünung oder passive Lüftung senken?
  • Wie wirken Gebäude, Nutzung, Außenraum und Tagesabläufe zusammen?

Sehr oft zeigt sich:

Die Kältetechnik kann kleiner dimensioniert werden – oder wird ganz überflüssig.

Das spart Investitionskosten, senkt laufende Energiekosten und vermeidet Fehlinvestitionen.

 

Gerade bei Neubauten oder Neuanmietungen lassen sich durch kluge Planung enorme Kosten für spätere Anpassungsmaßnahmen vermeiden. Manchmal geht es um scheinbar banale Details: Eingangshöhen, Geländelage, Oberflächen und Fließrichtung. Dinge, die früh in der Konzeption leicht zu berücksichtigen sind – und später kaum noch zu korrigieren. Und natürlich gibt es auch noch Optionen für den Bestand, wenn auch eingeschränkt.

 

 

Zuhören gehört dazu

 

Ein weiterer Punkt, der oft unterschätzt wird: Ich höre zu - Den Beschäftigten. Den Nutzer:innen. Den Menschen vor Ort.

 

Denn sie erleben die Klimafolgen in ihrem Altag – Hitze, Überflutung, Stress, Ausfälle.

So kommen oft Aspekte auf den Tisch, die selten im Blickfeld stehen:

  • Ist das Gebäude gegen Elementarschäden versichert?
  • Decken Notfallpläne auch Klimarisiken ab?
  • Welche Klimafolgen drohen in Logistik und Lieferketten?

Effektive Klimaanpassung heißt auch, blinde Flecken sichtbar zu machen.

 

 

Und die KI?

 

Ja, KI kann viel.

Sie kann Daten auswerten, Muster erkennen, Szenarien berechnen – wenn die Daten flächendeckend vorliegen und zueinander passen. Beim Thema Klimaanpassung ist das häufig noch nicht der Fall. Viele Analysen sind grob. KI kann definitiv eine erste Einordnung geben. Die Frage ist, ob sie die lokale Besonderheiten ausreichend berücksichtigt. Was es dann braucht, ist:

  • eine kompetente Einordnung der Ergebnisse,
  • die Frage: Passen diese wirklich zur Situation vor Ort?
  • und vor allem: die Ableitung sinnvoller Maßnahmen.

Und jenseits von Daten – wie fließen Erfahrungen der Menschen ein, die dort leben oder arbeiten? Gerade hier entscheidet sich, ob Maßnahmen langfristig wirken können oder verpuffen.

 

Warum es Spezialist:innen braucht

 

Ich glaube: Es braucht ein Feintuning, um wirklich effektive und nachhaltige Klimaanpassung zu entwickeln. Dieses Feintuning kann weder KI allein leisten noch durch Schnellkurse ausgebildete „Nebenbei-Expert:innen“.

Klimaanpassung ist ortsangepasst, einzelfallbezogen und vor allem: Sie muss von Menschen akzeptiert, umgesetzt und gelebt werden. Ich glaube an Co-Creation -Zuhören, gemeinsam denken, gemeinsam entwickeln. So entstehen oft bessere – und nicht selten günstigere – Lösungen.

Und, vielleicht am wichtigsten: So macht Klimaanpassung auch noch Spaß.

 

Und für diese Komplexität braucht es eine breite Sichtweise und Erfahrung.

Das Wissen, was in der Praxis funktioniert – und was nicht.

 

 

Und nun?

 

Gern bin ich dabei. Nicht als Einzelkämpfer:innen mit Patentlösungen –

sondern als erfahrene Begleiter:innen in einem komplexen, zutiefst menschlichen Prozess.

Packen wir es an!