Blog: Adaptation Stories

Anpassung an den Klimawandel ist in unserer Gemeinde bereits gut etabliert. Korrekt?

26.4.2018

Vor einigen Jahren hat das Bundesumweltministerium ein Förderprogramm, die sogenannte Kommunalrichtlinie der Nationalen Klimaschutzinitiative, aufgelegt, das Kommunen ermöglicht, einen Klimaschutzmanager einzustellen. Dieses Programm wurde zunehmend populär. Bisher existiert jedoch keine vergleichbare Förderung für Klimaanpassungsmanager. Nichtsdestotrotz kann man beobachten, dass eine zunehmende Zahl von Kommunen sich der Notwendigkeit zur Anpassung an den Klimawandel bewusst geworden ist und bereits Anpassungsmaßnahmen in Angriff genommen hat. Das hört sich gut an. Sind wir auf der sicheren Seite?


Über die letzten Wochen und Monate habe ich mich mit einer Reihe von mittleren und kleineren Städten und Gemeinden unterhalten, die mir von ihren Aktivitäten, sich an dem Klimawandel anzupassen, erzählt haben. Ich finde diese Entwicklung großartig. Allerdings, nachdem ich einen Blick in die Unterlagen genommen hatte, war ich etwas ernüchtert. Ja, die Schaffung von Grünflächen, Gründächern und -wänden kann hervorragend dazu beitragen, die Klimaauswirkungen vor Ort zu mindern. Außerdem erbringen sie noch vielfältigen anderen Nutzen und sie verschönern unsere Städte und Gemeinden. Doch, werden diese einzelnen Maßnahmen ausreichen, um mit den auf uns zukommenden Klimawandelherausforderungen umzugehen? Sind sie ausreichend dimensioniert, sind sie am richtigen Platz und sinnvoll gestaltet? Benötigen wir weitere Maßnahmen, um sie zu komplementieren? Sind die Städte und Gemeinden damit widerstandsfähiger und sicher gegenüber Klimaveränderungen?

Bauen wir das Haus vor dem Keller?

Was ich selten in diesen Städten und Gemeinden finden kann sind Informationen zu ihrer Verwundbarkeit. Kennen diese die spezifischen Risiken des Klimawandels für die eigene Kommune in den kommenden Jahrzehnten? Die Verantwortlichen haben natürlich von den Gefahren, wie steigenden Temperaturen und Hitzewellen, höheren Risiken für extreme Starkregenereignisse, Hochwasser, Wasserknappheit und dergleichen gehört, aber sie haben eher selten eine klare Vorstellung davon, wie sich diese konkret auf die verschiedenen Gruppen ihrer Bürger, Gebäude, existentielle Infrastruktur und Dienstleistungen in ihrer Kommune auswirken werden. Generelle Wirkungen des Klimawandels werden durch die lokale Situation in den Städten und Gemeinde, wie dem Grad der Versiegelung von Flächen, niedrig liegendes Gelände oder einen hohen Anteil alleinlebender älterer Menschen, weiter verstärkt. Die konkreten Einwirkungen unterscheiden sich daher von Ort zu Ort und erfordern angepasste Maßnahmen. Ich vermisse das Fundament für die lokale Klimaanpassung – eine systematische Analyse der Verwundbarkeit, die die spezifischen Risiken und Brennpunkte zeigt! Erst dann kann ich doch wirklich planen und die wirksamsten Maßnahmen identifizieren, oder?

Doch woher kommt das Problem? Hier sind sicher mehrere Faktoren beteiligt. Positiv wirkt zunächst erst einmal das gestiegene Bewusstsein und die gefühlte Verpflichtung handeln zu müssen. Diese Städte und Gemeinden agieren meist schon erfolgreich beim Klimaschutz. Klimaanpassung wird dann einfach zum integrierten Klimakonzept hinzugefügt und die Aufgabe wird dem Klimaschutzmanager übertragen. Auch dies erscheint grundsätzlich sinnvoll. Das Problem besteht eher in der Art und Weise, wie diese Aufgabe dann angegangen wird. In den Plänen kann ich gewöhnlich eine detaillierte Analyse der Quellen der Treibhausgasemissionen und systematisch abgeleitete Emissionsminderungsmaßnahmen finden, aber ich kann nicht eine gleichwertige Analyse finden, um mit den Klimawandelgefahren umzugehen. Zudem sind Klimaschutzmanager normalerweise in den Feldern Umwelttechnologie, Energieeffizienz, eventuell Mobilität ausgebildet. Klimaanpassung erfordert jedoch anderes Wissen und Fähigkeiten, wie Geographie, räumliche Planung, natürliche Prozesse, Wassermanagement, Gesundheit und Soziales sowie die Wechselwirkungen zwischen diesen Themen. Sind sich die Städte und Gemeinden der Notwendigkeit unterschiedlicher Herangehensweisen bewusst?


So sehr ich die stärkere Integration von Klimaschutz und Klimaanpassung befürworte, denke ich doch, dass ein größeres Bewusstsein für die spezifischen Anforderungen, die eine effektive Klimaanpassung stellt, notwendig ist und wir das erforderlichen Wissen bei den Planern und Entscheidungsträgern aufbauen müssen. Ich habe meine Zweifel, ob der Klimaschutzmanager allein diesen Anspruch erfüllen kann. Wäre es nicht besser, in einem Tandem mit einem Anpassungsmanager zu agieren? Ich denke es ist Zeit, Klimaanpassung gleichen Professionalität zu berücksichtigen wie Klimaschutz!


Worin besteht der Nutzen einen Preis zu gewinnen?

11.2.2018

Es war im Jahr 2009 und ich war unter den ersten Mitgliedern des Bewertungskommitees für den Wettbewerb zur europäischen Umwelthauptstadt, den die Europäische Kommission gerade initiiert hatte. Während ich mich über die Aufmerksamkeit freute, die die Kommission der städtischen Umwelt entgegenbrachte, in einer Zeit in der die städtische Dimension nur geringe Berücksichtigung auf der europäischen Ebene genoss, so fragte ich mich doch, ob es Sinn ergibt, noch einen weiteren Wettbewerb zu initiieren. Gab es doch schon zahlreiche Städtevergleichen und Rankings „Die beste Stadt ist ...“, „Die lebenswerteste Stadt ist ...“. Was wäre der Mehrgewinn für Städte durch eine Bewerbung als grüne Umwelthauptstadt Europas? Werden sich überhaupt ausreichend Städte bewerben, bei einem Preis, bei dem es kein Geld zu gewinnen gibt, wohl aber die Verpflichtung zu einem Jahr voller Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen. 

 

Nach einer Pause von 7 Jahren bin ich nun wieder in das Bewertungsteam zurückgekommen. Und der Wettbewerb ist noch immer am Leben und vital! Die Kommission hat die Initiative sogar noch um einen zweiten Wettbewerb - Green Leaf, für kleinere Städte und mit einer vereinfachten Prozedur, erweitert. Es muss also doch ein Wert in der Teilnahme liegen. Einige Städte haben sich sogar erneut beworben. 

Ich erinnere mich, dass in den frühen Jahren, einige teilnehmende Städte mir begeistert erzählten, dass es sie sich durch den Bewerbungsprozess plötzlich mit Verwaltungseinheiten oder anderen kommunalen Organisationen austauschen mussten, zu denen sie zuvor keinen Kontakt hatten. Die thematische Breite des Wettbewerbs forderte sie hierzu heraus, brachte ihnen so neues Wissen und Ideen. Sie erleichterte die Integration der Arbeiten und ermöglicht ihnen dadurch Synergien zu nutzen und effektiver zu arbeiten. Aber ist das ein ausreichender Grund für eine Teilnahme? Könnten sie diese Integration nicht auch selbst ohne den Aufwand des Wettbewerbes herstellen?

Löwen in Belgien ist der Gewinner des 2018 Green Leaf Wettbewerbs und hebt einen anderen Aspekt hervor. Die Stadt insgesamt - Verwaltung, Politiker und Bürgerinnen und Bürger fühlen sich geehrt, dass ihr Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit ist umfassend und direkt von der Europäischen Kommission wertgeschätzt wir. Ihre Bemühungen ergeben plötzlich Sinn auf der europäischen Ebene. Die Stadt erreicht eine europaweite Anerkennung. Kollegen anderer Städte in Belgien und anderswo befragen und laden Löwens Repräsentanten ein, um von ihrer Erfahrung zu lernen. Und während Löwen, frühere Gewinner und gelistete Städte ihre Geschichten teilen, erfahren sie gleichzeitig eine andere Perspektive auf die eigenen Erfahrungen, erhalten neue Impulse und können sich weiter verbessern.

Gewinner oder gelistet zu sein katapultiert diese Städte in die Europäische Liga. Im Scheinwerferlicht zu stehen zu initiieren ach sie stolz, hilft ihnen, ihre Umweltaktivitäten weiter zu konsolidieren und die notwendige politische Unterstützung durch den Bürgermeister die Stadtverordneten als auch der Bürger für die Umsetzung der Maßnahmen zu erhalten. Die Netzwerkkontakte und der Austausch der Erfahrungen bringen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Akteuren hervor, einschließlich der Öffnung neuer unternehmerischer Möglichkeiten. Außerdem kann die Sichtbarkeit Zugang zu EU Fördermöglichkeiten erleichtern, indem andere Akteure nach geeigneten Partnern für größere EU Projekte suchen und so kommen EU Gelder beinah von allein. 

 

Ich bin wirklich interessiert zu sehen, welche interessanten und inspirierenden Geschichten die Bewerberstädte der neuen Wettbewerbsrunde teilen werden und welchen weiteren Nutzen die früheren Gewinner benennen können.


Welches ist die  beste Handlungsanleitung für einen lokalen Klimaanpassungsprozess?

7.1.2018

„Problem Klimawandel erkannt - lasst uns anfangen! Wir nehmen eine Handlungsanleitung und folgen ihr. Ups!? Es gibt so unglaublich viele davon! Welche ist denn nun die beste für uns? Wie können wir das herausfinden? Schließlich wollen wir eine clevere Wahl treffen.“ Kommt Ihnen diese Situation auch bekannt vor?

Tatsächlich gibt es sehr viele Handlungsanleitungen und Werkzeuge mit deren Hilfe man einen Klimaanpassungsprozess initiieren und durchführen kann. Selbst ich, mit einem relativen breiten Erfahrungshintergrund zur städtischen Klimaanpassung in Europa, habe aufgehört sie zu zählen. Es scheint, dass jeden Tag Neue hinzukommen. Nahezu jedes europäische oder nationale Forschungsprojekt, jedes Förderprogramm und jede Initiative für Klimaanpassung scheinen ihren eigenen Leitfaden zu entwickeln. Ja, die Anwendung von Forschungsergebnissen und ihre praktische Nutzbarmachung sind wichtig, aber brauchen wir tatsächlich so viele Leitfäden und Werkzeuge? Unterscheiden sie sich wesentlich voneinander?


Ich würde sowohl ja als auch nein sagen. Ja in Bezug darauf, dass immer wieder neue Aspekte in den Vordergrund rücken, sei es beispielsweise die Verknüpfung mit genereller Resilienz oder neue Formen der Beteiligung, jedoch eher ein “nein“ hinsichtlich der wesentlichen Komponenten des Prozesses, die nahezu gleich bleiben. In Anerkennung dieses Umstandes, wurde das Urban Adaptation Support Tool des Bürgermeisterkonvents für Klima und Energie als ein Metawerkzeug designt. Es beschreibt kurz die wesentlichen Schritte eines Anpassungsprozesses und verweist dann für die Umsetzung auf geeignete detaillierte Leitfäden und Werkzeuge, die von anderen Quellen bereits bereitgestellt werden. Trotzdem, während die Initiative kein weiteres Werkzeug entwickelt hat, die Anzahl verfügbarer Anleitungen wurde dadurch nicht reduziert.

Wahrscheinlich bedarf es einer Anleitung für die Auswahl des richtigen Leitfadens. Digital oder auf dem Papier könnte er die Leitfäden und Werkzeuge in ihrem Kontext beschreiben und damit bei der Auswahl helfen. Er sollte die Umstände darstellen unter denen die Werkzeuge am besten funktionieren, beschreiben für wen sie entwickelt sind, ihren spezifischen Schwerpunkt darstellen und angeben inwiefern sie sich von anderen unterscheiden, den nötigen Aufwand für sie Anwendung beschreiben und Beispiele, in denen der Leitfaden erfolgreich angewendet wurde, aufzeigen. Das könnte den potentiellen Nutzern die Auswahl erleichtern. Aber ist das genug?


Eine andere Erfahrung, die ich immer wieder mache, handelt von Vertrauen. Wenn man Kollegen anderenorts kennt, denen man vertraut oder regionale / nationale Behörden oder Netzwerke, die Handlungsanleitungen anwenden oder anbieten, so tendieren lokale Akteure dazu genau diese zu benutzen, da sie der Quelle vertrauen. Dieser Ansatz spart ihnen Zeit, die verfügbaren Leitfäden zu prüfen um zu einer Entscheidung zu kommen. Allerdings könnten sich dadurch ihre Chancen verringern, die für sie besten Leitfäden und Werkzeuge zu finden.


Das muss jedoch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Förderer von lokalen Akteuren wie regionale und nationale Regierungen oder Netzwerke müssen nicht notwendigerweise ihre eigenen Handlungsanleitungen entwickeln. Das Projekt ClimAdaPT.Local in Portugal ist ein bemerkenswertes Beispiel für einen effektiveren Ansatz. Hier haben Experten der Universität Lissabon das sehr erfolgreiche Tool Adaptation Wizzard of UKCIP aus Großbritannien verwendet und an portugiesische Bedingungen angepasst. Sie haben 26 Kommunen weitergebildet und die Anwendung des Tools unterstützt, mit dem Ergebnis, dass 26 Kommunen innerhalb kurzer Zeit eine systematische Vulnerabilitätsanalyse produziert und eine Anpassungsstrategie entwickelt haben.

 

Dieser kombinierte Ansatz, bei dem Förderer die verfügbaren Leitfäden und Werkzeuge untersuchen und sortieren, geeignete an den Bedarf der lokalen Akteure anpassen und diese im Umsetzungsprozess begleiten, scheint auch in einigen anderen Regionen erfolgreich zu sein.  Die Region Barcelona hat das Urban Adaptation Support Tool auf die Bedürfnisse ihrer Städte und Gemeinden angepasst (siehe Artikel vom 17.10.2017). Das EU Projekt RESIN befähigt Manchester, Bilbao, Bratisalva und Paris seine Methode anzuwenden und erweitert nun den Rahmen zu sogenannten Tier 2 Städten und im MPA Projekt - Urban Adaptation Plans des polnischen Umweltministeriums entwickelt es gemeinsam mit 44 polnischen Städten Klimaanpassungspläne.


Und wie empfinden Sie die Situation? Was ist Ihre Erfahrung und welche Wege wählen Sie um mit der Flut an Leitfäden umzugehen? Kommentare sind herzlich willkommen.


Wie sieht unsere Stadt im Jahr 2040 aus? - Der Versuch eines Visionsprozesses

2.11.2017

Deine Stadt im Jahr 2040: Wie wirst du, werden deine Freunde und Nachbarn leben angesichts all der kommenden Veränderungen in der Bevölkerung, Lebensstilen, Technologie, Klima …? Wie wird das Leben aussehen in gut 20 Jahren? Wie werden die Schlagzeilen der lokalen Presse lauten? Dies waren Fragen, die ich jungen Bürgern im Alter von 18-23 in zwei Visions-Workshops gestellt habe, die ich für die Stadt Hofheim am Taunus organisiert habe. Die Reaktionen überraschten mich. Zuerst gab es nur Achselzucken. Die jungen Menschen hatten bisher kaum über die weiter entfernte Zukunft nachgedacht. Dann kamen vor allem düstere Visionen auf.

Sie empfanden die vielen Trends und Veränderungen eher als eine Gefahr als dass sie darin Möglichkeiten sahen. Internet, Telekommunikation, virtuelle Realitäten: Während sie die Technologien nutzen, bemängeln sie gleichzeitig die negativen Effekten durch den Verlust an persönlichem Kontakt und Empathie, aber sie erwarten, dass der Trend sich fortsetzen und sogar noch verschlimmern wird. Fahrerlose Busse und Autos:  Das fühlt sich unbehaglich an. Klimaänderungen: Ich möchte lieber gar nicht darüber nachdenken, was da auf uns zukommt, das ist beängstigend.

Während ich auch diese Risiken wahrnehme, sehe  ich doch auch die Chancen in Form von grüneren, sozialeren und lebenswerteren Städten, wenn wir weise und vor allem jetzt handeln. Sie sehen diese jedoch nicht. Wir Experten, aber auch die Medien informieren über die tiefgreifenden Konsequenzen der Klimaänderungen, aber wir sprechen nicht in gleicher Weise über die Chancen. Viele Menschen scheinen die Veränderungen des Klimas und andere Trends als ein Unheil zu sehen. Viele Blockbusterfilme über die Zukunft scheinen das zu unterstützen. Die Menschen sind verängstigt, fühlen sich ausgeliefert. Sie ignorieren das Problem oder resignieren. Wer arbeitet dann an positiven Visionen?

Nach einer Weile jedoch, kamen die jungen Menschen auch mit positiven Visionen und hatten Spaß am Brainstormen. Es entstanden teils verrückte Ideen, aber das half über den Tellerrand zu schauen. Es war möglicherweise das erste Mal, dass sie nach ihren Ideen für die Stadt gefragt wurden und Wege sahen, die Zukunft selbst mitzugestalten. Sie fühlten sich nicht länger komplett den Veränderungen ausgeliefert. Statt dessen formulierten Sie ihre Wünsche, untersuchten, wie sie die Trends beeinflussen oder nutzen könnten und welche Bedingungen in der Stadt und im Allgemeinen sich dafür ändern müssten, ob dies nun das Verhalten der Mitmenschen, Verwaltungsprozesse oder Machtverhältnisse betraf.

Diese zwei Workshops waren eher kurz und vor allem dazu angelegt einen Ansatz für einen wesentlich breiteren Visionsprozess zu testen  - und dieser Ansatz wurde bestätigt. Trotz dieser Begrenzungen in Zeit und Anzahl der Teilnehmer, brachten die Teilnehmer spielerisch einige erste positive und lebendige Ideen hervor. Eine wichtige Stellschraube von düsteren zu positiven Visionen war das Gefühl  unter den Teilnehmern, Einfluss zu haben. Zu fühlen, dass sie aktiv dazu beitragen können, die Zukunft zu gestalten uns nicht den Veränderungen um sie herum einfach ausgesetzt sind, setzte Kreativität und Engagement frei.  Mir war die Bedeutung partizipativer Prozesse für die Stadtentwicklung wohl bekannt, aber ich muss zugeben, dass ich diese weitreichenden Effekte, die über ein spezifisches Projekt hinausgehen und zu einer insgesamt positiveren Vorstellung von der Zukunft beitragen, eher unterschätzt habe.


Ist städtische Klimaanpassung nur etwas für große und reiche Städte?

17.10.2017

Oder gibt es auch einen Weg für kleine Städte und ländliche Gemeinden?

 

Als ich letztens eine Konferenz zur Klimaanpassung in Hessen besuchte, erfuhr ich von vielen inspirierenden Aktivitäten und  dem Fortschritt in meiner eigenen Region. Selbst ein spezielles Förderprogramm für Klimaanpassungsaktivitäten ist verfügbar. Während ich in der Mittagspause in der Sonne herumwanderte kam ich mit einer Kollegin aus einer kleinen Gemeinde ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass das sich alles ganz toll anhört, all diese präsentierten Aktivitäten und die Verfügbarkeit von Fördermitteln. Wie aber können sie, die so klein sind, nicht wissen wie sie beginnen sollen, wo wir die notwendigen Daten und das Wissen herbekommen, um überhaupt erst einmal einen solchen Förderantrag schreiben zu können, handeln? Wie können die, die keine Kapazitäten im Bereich Anpassung  haben und doch durch beispielsweise häufige Hochwasser bedroht sind, hier weiterkommen?

Ich habe die gleiche Geschichte auch schon aus anderen europäischen Ländern gehört. Es gibt diese scheinenden und stark inspirierenden Vorzeigebeispiele  großer Anpassungsbestrebungen und -ergebnisse. Einige Städte, wie Kopenhagen, nutzen Klimaanpassung sogar dazu die ganze Stadt zu transformieren, sie gleichzeitig grüner und attraktiver zu machen. Nichtsdestotrotz hat die Mehrheit der europäischen Städte und Gemeinden noch nicht mit der Anpassung begonnen. Einige hundert Städte beteiligen sich in europäischen klimaanpassungsbezogenen Initiativen, während fast 7000 Kommunen sich dem EEA Bericht  Urban adaptation to climate change 2016 zufolge bereits an Klimaschutzmaßnahmen beteiligen. Sicher, die Zahl wird über das letzte Jahr gestiegen sein, aber ich würde noch nicht ein völlig neues Verhältnis erwarten. Insbesondere, die kleineren Städte und Gemeinden scheinen diejenigen zu sein, die die größten Probleme haben ihre Situation zu analysieren und geeignete Maßnahmen zu initiieren. Wenn man berücksichtigt, dass fast zwei Drittel der europäischen Bevölkerung in kleineren Städten, Vorstädten und ländlichen Gemeinden leben, braucht Europa einen besseren Fokus, gerade die Vielzahl der kleineren Akteure zu aktivieren, um klimaresilient zu werden.

Kleine Städte und Gemeinden sind mit anderen Herausforderungen konfrontiert

… als größere und benötigen eine andere Herangehensweise. Normalerweise ist der kommunale Angestellte der für Klimaanpassung zuständig sein sollte auch für viele andere Bereiche, wie Umwelt, Bauleitplanung, Wassermanagement usw.,  verantwortlich. Das ermöglicht ihm eine engere Verbindung und bessere Grundlage für die Integration von Anpassungsbestrebungen in andere Arbeitsbereiche herzustellen. Gleichzeitig bedeutet es aber auch sehr geringe zeitliche Ressourcen für das Anpassungsthema. Sollte tatsächlich jede Kommune neues Personal einstellen und ihren eigenen Klimaanpassungsmanager haben oder ist das völlig überzogen? Gibt es einen anderen Weg?

Als ich vor einiger Zeit den EEA Bericht entwickelte, betrachtete unser Team einige Karten, die die Städte zeigten, die ich in Klimaanpassungsaktivitäten engagierten. Hier  entdeckten wir einige starke Häufungen. War dies ein technischer Fehler? Diese Cluster enthielten ganz kleine Kommunen, von denen ich noch nie gehört hatte. Eines dieser Cluster ist die Provinz Barcelona. Wir fragten uns, ob vielleicht die Region hier etwas unternommen hat. Wir fanden einen Ansprechpartner, fragten nach und tatsächlich, die regionale Regierung - Diputació de Barcelona – unterstützt aktive ihre Kommunen dabei, Klimaschutz- und Klimaanpassungsaktivitäten zu entwickeln. Sie nimmt den Kommunen Aufgaben ab, die ohnehin für alle gleichlautend wäre und erledigt diese stattdessen selbst. Dies betrifft die Sammlung entsprechender Daten, die regional angepasste Aufbereitung von nationalen und europäischen Informationen, die Vorauswahl und Anpassung von Methoden und Instrumenten, das Auffinden von Fördermöglichkeiten und Hilfe bei der Bewerbung.  Das bedeutet einen grösseren Aufwand seitens der regionalen Behörde, aber insgesamt eine wesentlich höhere Effizienz und Effektivität  in der gesamten Region und eine Entlastung für die Kommunen.  Dieses Ergebnis ist wirklich ermutigend! (Siehe auch im  EEA Bericht, S. 57)  

Änliche Ergebnisse konnten wir auch bei Städte der UNISDR-Initiative “Making cities resilient” finden, z.B. in der Provinz Potenza in Italien und einigen österreichischen Regionen (Karte), die ähnliche Ansätze verfolgen.

Das Potenzial der Regionen freisetzen

Angesichts dessen, dass die regionale Ebene so effektiv sein kann viel mehr Gemeinden zu befördern könnte eine stärkere Fokussierung auf diese Aufgabe eine Durchbruch sein, Europa wirklich klimaresilient zu machen. Gemessen an diesem Potenzial kann ich bisher jedoch nur wenig Aufmerksamkeit bei anderen Regionen erkennen, diesen Beispielen zu folgen. Die meisten Förderprogramme zielen auf die nationale oder die lokale Ebene. Wenn es die regionale Ebene ist, dann fokussieren die Aktivitäten für gewöhnlich auf Herausforderungen, die einen regionalen Lösungsansatz statt eines lokalen benötigen, wie zum Beispiel bei Flusshochwässer. Diese Ansätze sind ebenfalls sehr wichtig, aber der komplementäre Ansatz, der alle gleichgerichteten lokalen Aktivitäten bündelt und damit jede einzelne kleine Gemeinde befähigt, sich anzupassen, wird noch nicht wirklich verfolgt.